Humanistisches, Sprachliches, Naturwissenschaftlich-technologisches, Wirtschaftswissenschaftliches Gymnasium (HG, SG, NTG, WWG)

Theater

Aufführung im Schuljahr 2018/19:
„Top Dogs" nach Urs Widmer
25. & 26. Januar und am 01. & 02. Februar 2019 

„Business, das ist Krieg. Blut und Tränen. So ist das.“
Die Theatergruppe des Gymnasiums Donauwörth hat sich in diesem Jahr an ein postmodernes Stück des Schweizers Urs Widmer gewagt: TOP DOGS.
Das Mitte der 90er Jahre uraufgeführte Stück ist aktuell wie nie: Firmen melden Insolvenz an, Entlassungen stehen auf der Tagesordnung. Niemand ist mehr sicher. Alle Bereiche sind betroffen, auch die Führungsebene. Es stehen betriebswirtschaftliche Notwendigkeiten im Mittelpunkt, da spielt Menschlichkeit eine untergeordnete Rolle. Dass es nun aber die erfolgsverwöhnten Mitglieder der mittleren und oberen Managementebene – Top Dogs eben - trifft, unterscheidet das Stück von anderen arbeitsweltkritischen Werken.
Nach der Entlassung aus ihren Führungspositionen finden sich die Topmanager in einem sog. Outplacementcenter wieder, um an ihrer Karrierefortsetzung zu arbeiten. Der Weg ist hart, denn zunächst müssen die Entlassenen den eigenen Jobverlust akzeptieren und aufarbeiten. Mit Hilfe von Rollenspielen, Gruppengesprächen und körperlichen Betätigungen lernen die Damen und Herren, mit der für sie neuen Situation umzugehen.
Es ist zudem ein schmerzvoller Prozess, denn um die Basis für einen Neuanfang zu finden, muss sich jeder von ihnen zunächst demontieren – vor sich und auch vor der Gruppe. So wird man als Zuschauer Zeuge dieser Entwicklung und man erhält in den lose miteinander verbundenen Szenen Einblicke in die Seelen der Klienten, was meist komisch, manchmal tragisch, zuweilen fast peinlich anmutet.
Im Gespräch mit dem Tagesspiegel äußert sich Urs Widmer wie folgt zu seinem Stück: „Es wird viel gelacht in TOP DOGS, obwohl ich keine einzige Szene auf die Pointe hin geschrieben habe. Andererseits sind auch schon 50jährige Männer schluchzend aus der Vorstellung gelaufen. Das ist doch auch ein Stück Aufklärung, und das gefällt mir.“
Der Schweizer Urs Widmer (1938-2014), der nach seinem Studium der Germanistik, Romanistik und Geschichte über die deutsche Nachkriegsprosa promovierte, arbeitete zunächst als Verlagslektor und gehörte zu den Gründern des Verlags der Autoren. Später verfasste er selbst Theaterstücke, Hörspiele und Essays. Oft sind seine Geschichten komisch, manchmal erscheinen sie aberwitzig, zuweilen stimmen sie tieftraurig. Etliche Literaturpreise weisen ihn als Schriftsteller von Rang aus, so erhielt er neben weiteren Preisen 2007 den Friedrich-Hölderlin-Preis, 2014 den Schweizer Literaturpreis und bereits 2001 den Augsburger Brecht-Preis. Für den Schweizer Schriftsteller, so der damalige Jury-Vorsitzende, sei „Literatur verbunden mit Irritation“.
Sie sind herzlich eingeladen, eine unserer Aufführungen zu besuchen. Die Vorstellungen finden am 25. & 26. Januar und am 01. & 02. Februar 2019 jeweils um 20 Uhr in der großen Aula des Gymnasiums statt. Zudem bieten wir ein Einführungsgespräch zu unserer Produktion an, welches jeweils um 19.00 Uhr beginnt.
Der Eintritt ist frei, dennoch bitten wir um verbindliche Platzreservierung, entweder ab dem 15. Januar in den großen Pausen oder telefonisch unter der Rufnummer: 0176/69716003. Diese Rufnummer ist zwischen dem 15. und 24. Januar von 18 bis 20 Uhr besetzt.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Karl Auinger, OStD
- Schulleiter -
Die Mitglieder der Theatergruppe
unter der Leistung von OStR'in Katharina Bühler

Aufführung 2017/18: „Gretchen"

„ Es ist so schwül, so dumpfig hie
Und eben doch so warm nicht draus
Es wird mir so, ich weiß nicht wie,
ich wollt, die Mutter käm nach Haus…“

Goethe – Faust I – Szene: Abend (zweiter Auftritt Margarethes) - Dieser häufig lapidar als „Kästchenszene“ bezeichnete Monolog Gretchens zählt nicht nur zum Inbegriff großer deutscher Literatur, an diesem Monolog müssen Oberstufenschüler auch seit Generationen ihre Analyse- und Interpretationsfähigkeit unter Beweis stellen. Margarethe betritt ihr kleines reinliches Zimmer, bemerkt intuitiv die diabolische Aura, die Mephistopheles hinterlassen hat, beginnt sich auszuziehen und singt dabei den „König von Thule“, ein Lied über Liebe und Treue bis in den Tod. Schließlich findet sie das von Mephisto und Faust zuvor versteckte Schmuckkästchen und endet mit den Worten: „Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach wir Armen.“

Diese wenigen Verse Goethes reichen dem Autor Lutz Hübner, um ein furioses Theaterkabarett zu schaffen, in dem die verschiedensten Typen von Schauspielern und Regisseuren aufeinandertreffen und ihre ureigene Sicht auf die Szene zeigen. Der Zuschauer erlebt, wie unterschiedlich die Szene ausgelegt und inszeniert werden kann und erhält zudem einen Einblick in den nervenaufreibenden, kräftezehrenden, psychisch an die Substanz gehenden Probenalltag im Theaterbetrieb.

Das Stück „Gretchen89ff“, benannt nach der Druckseite der Szene des Gretchenmonologs in der kleinen gelben Reclam-Ausgabe, ist streng genommen eine Theaterprobe in Variationen und zugleich eine Liebeserklärung an das Theater. Dem Zuschauer wird beim Anblick der Probeanordnungen nicht selten ein weiteres Zitat aus Faust I in den Sinn kommen: „Es irrt der Mensch, solang´ er strebt.“, aber mehr und mehr stellt sich bei ihm vielleicht auch die Erkenntnis ein, dass das „wahre Theater“ eigentlich während der Proben stattfindet und der Zuschauer in der Regel um das Beste betrogen wird.

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